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Ludmila`s Gartenbuch

Zwei Gärtnerinnen




Zuletzt geändert am 20.4.2015

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Wie es war.

Am Anfang war eine Sorge, ein Wunsch und eine Idee. Eine Sorge machte die wage Überlegung, daß wir einmal nicht mehr täglich nach dem Brotverdienen gehen werden und mit unserer freien Zeit etwas Vernünftiges anfangen müssen - aber was? Der Wunsch bestand in der Sehnsucht nach einer aktiven Lebensart, möglichst mit der Förderung unserer Gesundheit verbunden. Und die Idee - die Lösung des Problems - sollte Gestalt annehmen in Form eines nicht gerade kleinen Gartens und einer genügend komfortablen Wohnstätte. Ein mühsames Suchen begann, nach einem passenden Grundstück und einem unserer Vorstellung entsprechenden Architekten. Feld am Deister Das Grundstück wurde im März 1983 entdeckt, nicht mehr als ein Stück Feld mit herrlich grünem Getreide. Der Architekt kam zu Wort erst zwei Jahre danach. Nach Arbeit haben wir nicht suchen müssen, sie hat uns sehr leicht selbst gefunden. Jedes Wochenende eine Fahrt von 40 km mit kleinen Pflanzen und einigen Kanistern mit Gießwasser, es war keine Wasserquelle vorhanden. Graben, schaufeln, hacken, wieder graben, pflanzen, bei jedem Wetter. Eine Rettung vor Kälte war der Bau einer Operationsbasis, die später ein Bienenhaus werden sollte, jedoch nie eins wurde. Erster Teich zum Auffangen von Regenwasser, als Übung gedacht und gelungen. Weitere drei Teiche kamen später dazu. Zwei Jahre sind vergangen, der Architekt hat die Pläne fertig.
Hausrohbau Der Hausbau hat angefangen. Es wurde jede Menge von Erde ausgegraben, ein ganzer Berg, und auch einige wunderbare Steinbrocken, Sandsteine vom Deister, auch Findlinge aus Granit, Spätboten der letzten Eiszeit. Immer wieder jedes Wochenende 40 km fahren, jetzt nicht mehr mit Gießwasser, jedoch immer wieder mit neuen Pflanzen, manchmal auch mit unserer Katze, die mußte sich doch auch langsam an die neuen Verhältnisse gewöhnen. Die Grundstücksfläche von 6200 m2 haben wir aufgeteilt: Rasen muß sein, eine schöne Fläche, und Platz für das Haus. Und ein Obstgarten, eine Hecke als Umrandung, sogar ein Stück Wald, eine Blumenwiese, aber vor allem die Blumenbeete. Um das Haus herum sollen sie liegen, damit man sie auch aus dem Hause - einmal später - sehen kann. Die Bauleute bekamen einen Zaun um ihr verwüstetes Tätigkeitsgebiet, man kennt sie, mit ihren schweren Maschinen und viel Unrat. Endlich verschwanden sie und im Herbst 1986 sind wir eingezogen.

Trockenmauer Der Grundriß vom Garten ist fertig, ein paar hundert der Pionierpflanzen, die im früheren Hausgarten vermehrt und provisorisch irgendwo auf dem neuen Grundstück geparkt wurden, ziehen auf ihre vorbestimmten Plätze um. Aus den vielen Stecklingen, irgendwo heimlich abgeschnitten und dann sorgfältig betreut, werden Büsche, die eine Hecke bilden. Jungpflanzen kaufen und noch mehr Schulden machen kommt nicht in Frage, und die leere Fläche ist so groß! Eine Gartenarchitektin wird zur Hilfe gezogen und ihre Ideen dann verworfen und letztlich entschieden, daß wir unsere Fehler selber machen werden. Eine Trockenmauer, die mit Steinpflanzen bepflanzt werden soll, wurde mitten im Sommer gebaut. Die Sonne strahlt, die Trockenheit ist bedrückend und die armen Jungpflanzen leiden. Im Dorfe werden Wetten abgeschlossen, ob sie es überleben, und sie tun es. Dank der täglichen ärztlichen Betreuung und punktartiger Beschattung, zur großen Bewunderung der neugierigen Beobachter aus der Nachbarschaft.  Jetzt ist es an der Zeit, Gartenwege zu bauen und Terrassen zu pflastern. Tonnen über Tonnen von Sand und Pflastersteinen werden geschleppt, Dutzende von Schubkarren von Erde geschoben und bewegt. Der arme Mann! Unkraut und/oder Wildkräuter vermehren sich ununterbrochen - der Gartenmensch sollte eigentlich vier Beine haben, um besser runter zum Boden zu kommen - und die arme Frau jätet und jätet. Die Frau ist Gartenarchitektin, Pflanzenliebhaberin und Hilfsarbeiterin in einer Person, der Mann ist für alles, was oberhalb der Kniehöhe wächst, zuständig und daneben noch fürs Gemüse. Das Schöne der Frau, das Nützliche dem Manne. Jeder hat seinen eigenen Komposthaufen, seinen Spaten, seine Karre und sein Revier. Divido et domine, aber mit Liebe! Am Abend, gebadet und ohne Sorgen um die Teile das Abendbrot genossen, sitzen die beiden in der Spätsonne auf der Westterrasse, und mit einem Glas Bordeaux in der Hand bewundern sie ihr und Gottes Werk.

Unser Wohnhaus  Vor 32 Jahren hat alles hier für uns begonnen. Zuerst wußten wir nicht, ob wir uns freuen sollen oder verzweifeln müssen. Unser Traum ist in Erfüllung gegangen, aber einige unserer Freunde haben uns für verrückt gehalten. Wir haben uns gefreut, daß wir genug Land haben, um alles im Garten zu verwirklichen, was uns einfallen kann. Und wir wußten, daß wir viel zu viel Land haben, um es nach hierzulande üblicher Vorstellung betreuen zu können. Das Ergebnis ist ein Kompromiß, wie oft im Leben. Wir haben uns ein Stück Natur nach unserem Bedürfnis geschaffen, wo wir uns wohl fühlen, in Eigenarbeit und ohne irgendeine dogmatische Ideologie. Über alles haben wir gestritten und diskutiert, um am Ende doch eine Lösung gefunden zu haben. Welche Freude und welche Genugtuung, daß wir uns verstehen und - ob es überrascht? - deswegen immer besser verstehen.


Paradise lost

Als wir das Grundstück vor 32 Jahren gekauft haben, waren wir im Alter, das uns statistisch betrachtet weitere 25 Lebensjahre versprach. Als wir unser Haus gebaut und dann bezogen haben, blieben uns noch 22 Jahre. Die haben wir voll genossen und überhaupt nicht daran gedacht, dass sie einmal um werden. Doch die Zeit ist unbarmherzig gelaufen und hat sich immer deutlicher mit der Erkenntnis gemeldet, dass sie nicht stehen geblieben ist. Die Statistik haben wir korrigiert und in unserem Haus und Garten glückliche 25 Jahre verbracht.

Nicht, dass wir die Zeit ganz vergessen haben, im Gegenteil, wir hatten es vom Anfang an klar und deutlich vor Augen, dass ein Ende von unserem arbeitsvollen Leben im Paradies, mit allen Annehmlichkeiten, Freuden und unvergesslichen Erlebnissen, einmal ein unvermeidliches Ende nimmt. Eine Perspektive vom Leben in unserem letzten Lebensabschnitt, möglichst sorglos und und gut versorgt, hat uns beschäftigt und deswegen haben wir am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts einen Vorvertrag für eine Seniorenresidenz in Bad Kissinger und parallel dazu auch für Augustinum Detmold abgeschlossen. Einen hohen Wert haben wir darauf gelegt, die besten Möglichkeiten für den Fall einer Krankheit und einer entsprechenden Pflegung gesichert zu haben. Soweit die rationellen Überlegungen.

Der emotionale Teil der beabsichtigten Entscheidung war bei Gott nicht einfach und leicht. Vor Allem für die Frauen ist es äußerst schwierig, einen sicheren Lebensort, in dem sie auch noch soviel unheimliche Freude an der Gartenpflege haben, aufzugeben. Man schaut sich um und sieht die Pflanzen, von welchen jede mit eigener Hand gepflanzt oder sogar aus dem Samen gezogen wurde, sieht jeden Stein, der mühsam auf seinen Platz bewegt werden musste und jeden Obstbaum, von dem köstliche Äpfel oder Pflaumen oder Kirschen gepflückt wurden. Das alles waren unsere pflanzlichen Kinder, die zu uns gehörten. Das zu verlassen?
Doch die nüchterne Wirklichkeit hat uns eingeholt. Immer schwieriger waren die Steine und immer mühsamer die Pflichten mit dem Erhalt und Pflege des Gartens verbunden. Die Angst, den Garten nicht mehr so gut und sorgfältig zu unserer Zufriedenheit erhalten zu können, hat uns bedrückt. Fremde Hilfe zu nehmen - möglich, aber wird es noch immer unser Garten sein? Und wie lange wird es auch noch weiter so gut gehen, mit dem Garten und uns selbst? Der Druck auf eine schicksalhafte Entscheidung wuchs.

Das erste Angebot vom Augustinum Detmold, eine der beiden von uns gewünschten Wohnungen zu nehmen, haben wir nicht angenommen. Immer noch haben wir geglaubt, dass die richtige Zeit noch nicht gekommen ist und dass wir immer noch Kraft genug haben, um weiter zu machen. Über das zweite Angebot, etwa fünf Jahre später, haben wir ernsthaft nachgedacht. Die Entscheidung hätte weitreichende Folgen – einziehen, jetzt oder noch einige Jahre später? Und wie viele Jahre? Und was könnte passieren inzwischen? Tage hat es uns gekostet, bis wir uns geeinigt und entschieden haben, das Angebot doch anzunehmen. Zurück blickend stellen wir mit der inneren Zufriedenheit fest, damals richtig gehandelt zu haben.

Über Augustinum