Korsika, 10.Tag: 1.4.2002


In dieser Nacht sank die Temperatur weiter und die zusätzliche Decke zum Schlafen zeigte sich bitter nötig. Auch beim Frühstück leiden wir dadurch mehr als gestern. Den Kaffee gibt es nur in einer Kanne, die wird bald leer und der Nachschub stockt. Alles am Tisch erkältet schnell, wenn es schon vorher nicht kalt genug war. Die Stimmung der Gruppe wird dadurch nicht besser.
Kirche
Um halb zehn Uhr kommt ein Bus mit 59 Plätzen für 11 Personen. Die auf ein Dreiviertelstunde vorgesehene Anfahrt zum Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung verlängert sich auf 2 Stunden. Der riesige Bus kann nicht durch die engen Straßen auf der kürzerer Strecke fahren, es müssen Umwege in Kauf genommen werden. Endlich erreichen wir unser Ziel und auch die erste Sehenswürdigkeit in Form einer Johannes-Kirche, die etwas ungewöhnlich aussieht: Der Kirchturm steht nämlich, von dem Hauptgebäude durch eine Lücke getrennt, frei abseits. Die Kirche soll sehr alt und mit einer blutreichen Geschichte verbunden sein - wurde der Turm erst später errichtet? Wir konnten den schlichten Innenraum betreten und als wir kurz danach auf dem Wege weg von der Kirche waren, haben wir einen geheimnisvollen Gesang, aus der Kirche kommend, vernommen: unser Kantor Rolf ist dort geblieben, um in einem Psalm seinen Gott am heutigen Ostermontag zu loben.

Inzwischen scheint die wärmende Mittagssonne, wir steigen langsam zu unserem heutigen Berg, der Punta del Vaca Morta heißt. Eine sehr schöne Landschaft öffnet sich vor unseren Augen. Wir steigen langsam durch die saftige Natur, unser Berg ist 1300 m hoch und wir haben erst bei 500 m angefangen. Das Wetter ist günstig und die Stimmung in der Gruppe positiv.

Die zwei Botanikerinnen unter uns werden durch die Korsische Christrose (Helleborus corsicus) und die blühenden Krokusse inmitten vom Hauswurz (Sedum) hell begeistert. Die Christrosen, am ersten Tage als etwas Besonderes laut bewundert, zeigen sich inzwischen sehr häufig und alle nehmen es als selbsverständlich.

Christrosen Krokusse
Der Aufstieg ist nicht schwer, die Markierung führt uns auf einem schmalen Pfad durch den alten Kiefernwald, es ist eine sehr bequeme und angenehme Wanderung. Unterwegs machen wir einen Picknick, die Sonne scheint ununterbrochen und das Wetter ist ideal. Allmählich werden die großen Garanitbrocken entlang von unserem Weg immer häufiger, bis wir die Waldgrenze erreichen und die Vegetation sich in die niedrige Macchia ändert.

Zum Gipfel Aussicht

Den Gipfel erreicht, liegt uns die Hälfte der Insel Korsika zu Füßen. Eine so schöne Aussicht von 360 Grad und bei klarer Luft haben wir schon lange nicht erlebt. Das Schwitzen unterwegs ist vergessen, die lange Anfahrt auch, wir sind alle happy und das nicht nur deswegen, daß wir uns eine halbe Stunde ausruhen können.

Am Gipfel Waldweg Doch einmal müssen wir auch diesen herrlichen Platz verlassen und den Rückweg antreten. Das tun wir etwas leichtsinnig, ohne auf die Markierung genau zu achten, die Richtung ist doch klar. Mit dem Resultat, daß wir mühsam durch die Macchia, auf fast unsichtbaren Ziegenpfaden, vom Berg absteigen, bis wir wieder den markierten Weg finden. Die prachtvolle Natur ist so gut wie unberührt, hier findet kein Massentourismus statt und diejenigen, die so weit weg von der Zivilisation ihre Ruhe finden, stören die Ökologie nicht. So haben wir uns die Korsika vorgestellt und so haben wir sie auch vorgefunden. Es bleibt nur daran zu hoffen, daß es so noch lange bleibt.

Mit dem Bus, diesmal schneller, fahren wir zurück nach Porto Vecchio und dort, dem allgemeinen Wunsch nach, besuchen wir eine Eiscremediele, welche die Radfahrer gestern entdeckt haben. Die Auswahl an süßen Versuchungen ist hier groß, ich wähle einen Eisbecher namens "Bolero". Als er serviert wird, muß ich feststellen, das ich mir wahrhaftig einen Kübel Vanilleeis wünschte und dementsprechend habe ich damit auch länger als die anderen zu tun. Zu Ende essen davon alle die am Tisch sitzenden, damit es endlich bewältigt wird und wir zum Campingplatz kommen können. Der heutige Wandertag war, das Eis mitgerechnet, ein voller Erfolg.


"Kulinaria" am Abend: Meeresfrüchtepastete, Fischfillet (Ministück vom Supermarket), Rotwein (wie gestern, wieder gutgekühlt), irgendein Nachtisch.


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