Korsika, 12.Tag: 3.4.2002


Die ganze Nacht hat es geregnet. Das Häuschen, unsere Bleibe, besteht aus Kunststoff, es besitzt keine Schallisolation und so hört man auch vom Außen alles. Der Regen trommelte aufs Dach und der Wind heulte angsterregend, wir blieben jedoch trocken. Zum Glück hat die Wetteränderung auch einen kleinen Temperaturanstieg mit sich gebracht - wir frieren nicht mehr so viel, dafür werden wir naß auf dem Weg zum Frühstück, wo der Nachschub wie gewöhnlich wieder stockt und noch bevor wir satt werden können, ist das Brot alle.

Bonifacio Altstadt

Ein Bus bringt uns nach Bonifacio, in dessen Nähe wir den heutigen Tag verbringen werden. Das regnerische Wetter dauert in Form eines Nieselregens an und unsere Wanderung entlang der steilen Klippen wird zu einer nassen Angelegenheit. Zwei Stunden dauert es, bis wir den Weg zu dem Leuchtturm auf Capu di Pertusatu und zurück absolviert haben. Der Blick in senkrechter Richtung von oben zum Wasser ist beeindruckend und die waghalsige Lage der Häuser von der Stadt Bonifacio an der Spitze des anscheinend brüchigen Felsens vermittelt von Ferne merkwürdige Gefühle. Wahrscheinlich ist es die meistfotografierte Stelle Korsikas und das mit gutem Grund. Als wir uns dann später selbst auf dem winzigen Platz, der buchstäblich über dem Meer schwebt, befinden und der Abgrund unter uns nur durch ein lächerliches Geländer getrennt ist, verspüren wir keine Angst. Die Häuser haben wir hier in dieser Lage bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten gesehen und sie sind stehen geblieben - warum sollten sie gerade heute abstürzen?

Stadtmauer Für die nachfolgende Besichtigung der Altstadt haben wir 3 Stunden Zeit und es regnet ununterbrochen weiter. Wir starten die Exkursion mit einem Besuch in einem kleinen Café bei Croissants und Cafe-au-lait, wo wir uns etwas aufwärmen. Erst dann gehen wir durch die engen Gassen mit ihren mittelalterlichen Gebäuden spazieren. Wir entdecken das Haus, in dem Napoleon kurze Zeit gewohnt hat und gleich gegenüber ein anderes Haus, in dem einer der englischen Könige seinerzeit untergebracht wurde. Die Häuser sind romantisch und entsprechend unbequem. Inzwischen regnet es immer mehr und so suchen wir ein Dach über dem Kopf in der hiesigen Kathedrale, doch auch hier ist das Dach undicht und die Decke entsprechend fleckig. Irgendwann war Bonifacio sicher eine reiche und mächtige Stadt, in der was zu verteidigen war. Die Reste des Bollwerks bezeugen es noch heute, zu verteidigen sind jedoch jetzt nur die hohen Preise, die die Touristen zu zahlen haben. Trotzdem stehen die Stadtmauern mächtig da, das Image der Stadt wird gepflegt, die Treppe entlang des Mauerwerks, die wir benutzen um die Altstadt zu verlassen, dagegen weniger.

Dann haben wir noch eine gute Stunde Zeit bis zur Abfahrt und der Regen wird immer stärker. Unsere Kleidung, die eigentlich wasserdicht sein sollte, verdient diese Bezeichnung nicht hundertprozentig und wir sehen uns nach einer Möglichkeit um, dem kalten Wasser vom Himmel zu entkommen. Da es noch bis zum Anfang der Saison einige Wochen dauern soll, sind viele der Restaurants und Konditoreien, von denen es eigentlich nicht mangelt, nicht im Betrieb. Endlich finden wir eine Rettung in einer kleinen Pizzeria, wo wir mit Capuccino und einer "eau de vie" unsere Gesundheit retten können. Heiße Suppe hätten wir gerne, die gab es jedoch nicht.

Erst als wir zurück im Camping angekommen sind, können wir uns in trockene Sachen umziehen. Ein heißer Tee, den wir uns gekocht haben macht es, trotz der Nässe draußen, am Tisch gemütlich. Schade um das schlechte Wetter, der Tag wäre viel schöner gewesen.


"Kulinaria" am Abend: Zwiebelkuchen, Hänchenkeule mit Erbsen, Rotwein (wie immer), Obst (hoch leben die Dosen!)


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