Korsika, 5.Tag: 27.3.2002


Heute werden wir ein gutes Wetter besonders benötigen, weil wir heute den bisher höchsten Punkt in unserer diesjährigen Wanderung erreichen wollen.
Wildschweine Auch diesmal beginnt der Wandertag mit einem Waldweg, der durch ein Tal und entlang am kleinen Fluß führt. Doch diesmal hat sich unsere Gruppe um ein Mitglied vergrößert: ein Hund hat sich uns angeschlossen. Offensichtlich macht ihm unsere Gesellschaft einen großen Spaß - er läuft vor und hinter uns, manchmal mischt er sich zwischen uns Menschen. Er scheint sich keine Gedanken darüber zu machen, wohin wir gehen, er kommt einfach mit. Ab und zu scheucht er einige Wildschweine weg, die hier ziemlich oft aus dem Walde auftauchen, aber nicht selten läuft er selbst weg, wenn ihn die Schweine zu zweit oder sogar zu dritt bedrohen. Er kennt wohl seine Grenzen.

Bavella-Gebirge
Langsam erscheinen am Horizont auf der anderen Seite des Tals die Spitzen des Bavella-Gebirgs und lassen uns ahnen, was uns dort weiter erwartet. Noch zuerst kommen wir zu einem kleinen Stausee, der am Fluß als Wasserreservoir zum Löschen der Waldbrände errichtet wurde. Hier müssen wir den Fluß überqueren, was nicht ohne Gefahr und für einige nicht ohne Probleme erscheint. Doch auch das wird gemeistert. Wir haben erwartet, daß der Hund uns hier verlassen wird. Wie er über Wasser kam, weiß ich nicht, aber er hat es geschafft und geht mit uns weiter.
Bald danach haben wir die Waldgrenze erreicht und jetzt wandern wir durch Macchia. Sie wird immer niedriger, bis wir nur durch Gras und über immer häufigere Steine gehen. Auch die Steigung kommt dazu, es wird immer weniger geredet, dafür jedoch intensiver geatmet. Eine ganze Stunde geht es immer höher, immer höher, bis sich endlich die Berghütte, auf die wir schon eine Weile unsere Hoffnung knüpfen, in einer Mulde zeigt.
Berghütte am Asinao
Ein echt verdientes Picknick kommt jedem willkommen. Aus der nicht bewirtschafteten Hütte bringen wir Holzbänke auf die kleine, zur schwachen Sonne geöffnete Terrasse und greifen in die Rucksäcke für etwas Eßbares. Wir haben die Höhe von 1536 m erreicht und dementsprechend kalt weht der Wind. Und dazu, wie üblich zu Mittag, häufen sich die Wolken am Himmel, so daß die Windjacken zugeknüpft bleiben.

Beim Abstieg bergab geht es schneller, auch der Fluß am Stausee, den kennen wir schon, macht keine Schwierigkeit. Inzwischen hat sich, weil wir tiefer gekommen sind, auch die Lufttemperatur erhöht und damit auch unsere Stimmung. Der Weg durch Wald ist leicht und schön und auch der Hund, der noch immer mit uns geht, macht einen zufriedenen Eindruck. Noch bevor wir zum Bus gekommen sind haben wir ihm für seine Treue eine Belohnung versprochen. Ich bin der einzige, der noch ein Stück Wurst im Rucksack hat und so wurde beschlossen, das es dem Hunde beim Abschied geschenkt werden soll. An der Kreuzung, wo der Bus wartete, habe ich, nicht ohne zu zögern, mein letztes wertvolles Stück korsischer Trockenwurst herausgenommen und unter Aufsicht aller Anwesenden dem Hunde vor seine Schnauze gestellt. Und das Biest hat dazu gerochen, sich umgedreht und voller Mißachtung, ohne mir einen Blick zuzuwerfen, ist er weggegangen. "Dumm, wer gibt - noch dümmer, wer nicht annimmt", pflegte meine Großmutter zu sagen.


Kulinaria am Abend: Salat Zonza (mit Croutons und Schafskäse, sehr gut), "Surprise du Chef" (Meeresfrüchte), dazu Rosewein (eine ganze Flasche, weil wir was zu feiern hatten. War nicht so gut, wie sein Ruf). Dessert (Einzelheiten vergessen)


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