Korsika, 9.Tag: 31.3.2002


Diese Nacht wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Obwohl wir uns mit allen vier in unserem Hause verfügbaren Decken zugedeckt haben und die elektrische Heizung die ganze Nacht durch laufen ließen, haben wir bitter gefroren. Ludmila hat sich noch einen Pullover und dicke Socken angezogen und den Anorak über die Decken gelegt, es war trotzdem unangenehm kalt. So wird es weiter nicht möglich sein. Beim Frühstück im eiskalten Zelt, alle sind warm angezogen, tauschen wir unsere nächtlichen Erfahrungen: sie sind bei allen die gleichen - kalt, kalt überall. Einige Stimmen werden sehr, sehr kritisch und Ursula kann es nicht überhören. Die arme, was kann sie für uns tun? Das einzige, was in ihrer Möglichkeiten steht, tut sie auch, indem sie vom Campinglager zusätzliche Decken verteilen läßt. Wir nehmen uns noch zwei zu den vier, die wir schon haben, so daß wir diese Nacht jeder unter drei Decken schlafen werden.

Strand am Camping Für heute ist keine Wanderung vorgesehen, der Tag ist frei. Einige leihen sich Fahrräder und wollen die Umgebung von Porto Vecchio erforschen. Wir beide haben jedoch beschlossen, unsere Aufmerksamkeit dem Meer zu widmen. Durch ein Loch im Campingzaun kommt man in wenigen Minuten an einen schmalen Strand mit gelbem Sand, der Strand ist zu dieser Jahreszeit ganz menschenleer. So konnten wir ungestört einige Hundert Meter am Wasser gehen, bis der Strand zu Ende wurde. Weiter ging es nur an einem kaum benutzten Trampelpfad durch eine Dickicht, ab und zu konnte man zum Wasser abbiegen. Wir haben eine Möglichkeit gefunden und genutzt, auf einigen großen Steinen die inzwischen wärmende Sonne zu genießen, bis uns der Hunger zu Rückkehr in das Domizil gezwungen hat.

Unsere Vorräte liegen seit gestern im Kühlschrank, den öffnen wir und - eine Überraschung, eine böse. Der Kühlschrank war auf die maximale Leistung eingestellt, was wir gestern nicht gemerkt haben, und alles, was drin lag, ist knochenhart gefroren. Ludmila kommentiert dieses Ereignis in saftiger Seemannssprache, nicht besonders damenhaft.

Ludmila lesend Was nun? Aus der Not machen wir eine Tugend und erfinden den "Gulasch a la Korsika". Hier ist das Rezept: Man schneide eine halbe korsische Wurst in kleine Stücke und lege sie in die heiße Pfanne am Kochherd. Man überbrühe mit möglichst heißem Wasser die tiefgefrorenen Paprikas und Tomaten, hacke sie mit mäßiger Gewalt klein und gebe zu der Wurst, füge schwarze Oliven (mangels Salz) hinzu und würze alles ordentlich mit Gorgonzola. Man läßt die Pfanne auf kleiner Flamme und mache inzwischen die Vorspeise: Der schlapp gewordene grüne Salat wird mit etwas korsischem Käse bestreut, in der Mikrowelle aufgewärmt und dann heiß serviert. Zum fertigen Gulasch ißt man Weißbrot und trinkt den gestern vorsorglich gekauften Bordeaux Rotwein, eine Flasche für zwei Personen. Man kröne das Menü mit kräftigem Espresso aus Pulverkaffee. Danach setzt man sich draußen in die Sonne, nimmt Füße hoch und genießt eine leichte Literatur, so wie es Ludmila getan hat.

Gymnastik Einige Enthusiasten (wir beide gehören dazu) haben sich vor dem Abendessen überreden lassen, unter Ursula`s Führung einige gymnastische Übungen zu machen. Ursula (im roten Pulli) ist eine sehr sportliche Person, geht jeden Morgen vor dem Frühstück joggen und beeindruckt uns dadurch, daß sie Marathon laufen kann. Wie sie es schaffen kann, bei ihrer Diet, bestehend überwiegend aus Tomaten, ist ihr Geheimnis. Diejenigen, die der Versuchung nach Hüpfen und Biegen und Strecken und Springen standhalten konnten, beobachteten das lustige Treiben von Ferne und gaben laut ihre Kommentare dazu. Wir Hüpfende und Biegende halten sie einfach für Feiglinge, was auf sie jedoch wenig Eindruck macht.


"Kulinaria" am Abend: Möhrensuppe (nicht schlecht), Cordon bleu (Fertigprodukt), Rotwein (s. gestern), Kuchen


zurück zur Titelseite
home   home