Der Umzug


     Die Nachricht, die für uns ein neues Kapitel im Leben eingeleitet hatte, kam am 4.4.2011. Uns wurde mitgeteilt, das die von uns vorgesehene Wohnung freigeworden ist und nach den üblichen Reparaturen bezogen werden kann. Eine Woche danach haben wir uns in Detmold im Augustinum mit den Vertretern des Hauses getroffen, uns die Wohnung nochmal angeschaut und über die von uns gewünschten Änderungen gesprochen. Und die Geschichte begann zu galoppieren.
Augustinum Front      Auch in Feggendorf. Anhand des Wohnunsgrunrisses begann die Planung der Möbelverteilung auf einer Fläche von nur 75 m2, auf die wir uns im Vergleich mit jetzigen 200 m2 Wohnfläche beschränken müssen. Alle Möbelstücke wurden genau ausgemessen und im PC maßgerecht in Bild platziert. Doch vorher mussten wir noch einige Türen versetzen lassen, weil das Bett für Ludmila sonst nirgendwo gepasst hatte.
     Am Ende haben wir das nötige ausgewählt und das, was keinen Platz gefunden hatte, aussortiert. Inzwischen kamen dazu noch die Geburtstage von beiden Jans in der Familie und wir haben das Zusammenkommen dazu benutzt, dass wir unser Hausrat, das nicht nach Augustinum mitkommen sollte, von den Interessenten etikettiert ließen. Unvorstellbar, was alles wir nach Umzug nicht gebrauchen oder nicht unterbringen werden können.
     Oder wir müssen einiges anpassen: aus zwei Sideboards wird durch gezieltes Weglassen vom Tischler Bruns eine praktische Kommode gemacht. Zusammengeschraubten Möbelstücke werden auseinander genommen und mit Hilfe vom passenden Anstrich zum neuen Zweck umgewandelt. Von der Dielenwand werden wir nur einige Elemente mitnehmen. Alles wird zentimetergenau platziert. Andererseits fehlen uns Kleiderschranke, die sind im Feggendorfschen Hause fest eingebaut, die müssen bleiben.
     Inzwischen haben die Reparaturen in Detmold angefangen. Dazu wird unsere Anwesenheit benötigt, um genau die Maße festzulegen und Einzelheiten wie genaue Positionen der Steckdosen, Telefon- und Antennenanslüße usw. zu vereinbaren. Wir wünschen ein Bidet im Duschraum und ein maßgeschneidertes Möbelstück in dem Miniküchenraum. Und einen Laminat-Fußboden und... Die Angestellten vom Augustinum sind fantastisch kooperativ und helfen uns mit praktischen Ratschlägen.
     Wieder in Feggendorf sind wir damit beschäftigt, überflüssige Sachen los zu werden: wir verschenken Gartenmöbel, Fernsehgerät, Waschmaschine, altes Doppelbett, tauschen eine Leiter für eine Flasche Rotwein oder den Verticutierer für 100 Euro. Rechtzeitig bestellen wir eine Umzugsfirma und kündigen das, was nicht mehr aktuell werden soll: den Internet-Provider, die Mitgliedschaft in der dörflichen Feuerwehr und in unserem Kegelklub und auch den Vorvertrag in Bad Kissingen. Dazwischen kommen kleine Störungen, wie zum Beispiel ein Ersatz der Pumpe in der Heizungsanlage oder eine Erneuerung unserer Personalausweise, die abgelaufen sind und wir werden in wenigen Tagen nach Tschechien fahren, um an Taufen von zwei fast gleichzeitig geborenen Enkelkindern teilzunehmen. Ein neuer Fernseher (kleiner wegen Platzmangel) und eine neue (zu dem Siemens Trockner passende) Miele Waschmaschine wird bestellt. Es wurde ein bisschen hektisch.
     Zurück aus Tschechien schließen wir mit der Maklerfirma Engel & Völkers einen Vertrag ab, um den Verkauf unserer Immobilie in Gang zu bringen. Wir vermuten, dass es nicht leicht wird, ein so großes Grundstück schnell verkaufen zu können. Aber das ist eine anderes Kapitel. Vorrangig haben wir noch im Garten genug zu tun: eine kranke Kiefer muss gefällt und entsorgt werden, Abfallholz muß rechtzeitig verbrannt werden. Sperrmüll wird zur Sammelstelle nach Lauenau gebracht und die ersten Umzugskartons warten bereits darauf, benutzt zu werden.
     Und wieder der unvermeidliche Papierkram: Zeitschriftenabonnement und Vereinsmitgliedschaften kündigen, an verschiedene Stellen die neue Anschrift mitteilen und bei der Post die Nachsendung bestellen, weil der Umzug sich schneller als geglaubt nähert. Also schnellstens noch weitere Umzugskartons füllen, es werden insgesamt um die 40 Stück sein.
     Und dann der Schock: bei einer Überprüfung der Maße in der neuen Wohnung kam heraus, das die lichte Raumhöhe um 2 cm kleiner ist als die Höhe unserer Möbel, die für ein von den zwei Zimmern vorgesehen waren. So wie die Möbel sind, kommen sie für den Umzug nicht in Frage. Die einzige Lösung, die wir nach fast verzweifelter Überlegung gefunden haben bestand darin, die Sockel an allen diesen Möbelstücken um 4 cm zu kürzen. Zum Glück ließen sich die in Frage kommenden Möbel in einzelne Teile zerlegen. Der dringend benötigte Tischler war bereit diese Operation sogar kurzfristig auszuführen und die prekäre Lage zu retten.
     Am 15.7.2011, spät am Abend, sind unsere Umzugskartons und das ganze Umzugsgut, das den Umzugswagen voll gefüllt hat, nach Augustinum gekommen. Inzwischen war es spät am Nachmittag und bis alles ausgeladen und verteilt war, wurde es schon dunkel. Die Möbelstücke sind in der Wohnung provisorisch aufgestellt und überall stehen im Wege die Umzugskartons, die erst morgen in Angriff genommen werden. Nur auf den Betten sind die nötigsten Kissen und Decken vorbereitet. Doch hoppla – das Ludmila`s Bett passt genau in die vorbereitete Wandlücke, jedoch die Tür daneben lässt sich nicht ganz öffnen. Zwar stimmt die vorgegebene Lage der Zarge, jedoch mit den Scharnieren darauf hat man nicht gerechnet. Also wird die Tür ausgehängt und für die Nacht auf dem Flur ausgelagert. Morgen kommt ein Tischler und wird das Bett um 5 cm. notgedrungen kürzen.
     Was für ein Tag! Unser großes und im Leben wohl letztes Abenteuer geht zu Ende und wir sind voller Erwartung, was uns die Zukunft bringt. Und dann haben wir zum ersten Mal in der neuen Wohnung geschlafen, was für ein Gefühl!

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